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Rubrik Region Traditionen

Ostfriesenabitur

Das besondere Diplom

Das „Ostfriesenabitur“ ist ein ganz besonderes Diplom, das Touristen und Zugezogene mit viel Spaß an der Freud ablegen und dabei gleichzeitig jede Menge über die ostfriesische Kultur mit ihren Sitten und Gebräuchen lernen können. Erfunden haben es natürlich echte Ostfriesen und zwar die Wittmunder. Die kennen sich bestens aus, denn Wittmund ist die Kreisstadt des gleichnamigen ostfriesischen Landkreises und gilt als größte Stadt in Ostfriesland. Daher ist das originale Ostfriesenabitur auch nur in Wittmund abzulegen. Im Jahre 1978 wurde die besondere Reifeprüfung als touristische Attraktion eingeführt, um Nicht-Ostfriesen auf unterhaltsame Art und Weise „einzubürgern“.

Abitur an einem Tag – so funktioniert das Ostfriesenabitur

Das Ostfriesenabitur ist im Gegensatz zur klassischen Schulprüfung relativ schnell abgelegt. An einem Tag kann Mann oder Frau das begehrte Diplom erwerben. Kinder können das verkürzte „Lüttje Ostfreesen-Abitur“ machen.

Die Prüfungsaufgaben sind in zwei Teile gegliedert. Ganz praktisch und mit vollem Körpereinsatz zeigen sich die Prüfungsfächer des ersten Teils zum Erwerb des Ostfriesenabiturs, der unter freiem Himmel stattfindet. Hier dürfen die Teilnehmer dann zeigen, ob sie sich zum echten Ostfriesen eignen. Geprüft wird in den folgenden Disziplinen:

  • Straßenweitboßeln,
  • Straßenzielboßeln,
  • Bessensmieten,
  • Padstockspringen/Balkenlaufen,
  • Kuhmelken,
  • Löffeltrunk,
  • Teezeremonie,
  • Krabbenpuhlen,
  • Plattdeutsch.

Straßenweitboßeln und Straßenzielboßeln gelten als ostfriesische Nationalsportarten. Während es beim Straßenweitboßeln darauf ankommt, die Boßelkugel soweit wie möglich zu werfen, gilt es beim Straßenzielboßeln, die Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine bestimmte Strecke zu bringen. Auch das Bessensmieten verlangt Zielwasser, denn hier geht es darum, einen Reisigbesen mit maximal drei Würfen (Männer) bzw. vier Würfen (Frauen) in einen auf Distanz stehenden Ofen zu befördern. Dahinter steht eine alte Sitte: Früher wurden die Besen nach dem Reinigen der Dreschtenne auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Alle Helfer des Bauerngutes versammelten sich um das Feuer und feierten gemeinsam, bis das Feuer erloschen war. 

Padstockspringen, auch Pultstockspringen, ist eine ostfriesische Fun-Sportart, die sich aus einer alten Tradition entwickelt hat. Früher überquerten die Menschen in den Marschregionen mithilfe eines Pultstocks (langer Stab mit Eisenplatte) die Wasserläufe in Ostfriesland. Vereinfacht könnte man das Padstockspringen als Stabweitsprung über Wassergräben bezeichnen. Alternativ kann auch das Balkenlaufen absolviert werden, bei dem die Schüler mit gefüllten Wassereimern über einen etwa 2 m langen Holzbalken, den „Ostfriesischen Strich“, balancieren müssen. Auch dieses Spiel hat seine traditionellen Wurzeln, denn die Mägde legten sich damals einen Balken über die Wassergräben, um trockenen Fußes zu den verschiedenen Ländereien zu gelangen, um dort z.B. die Kühe der Herrschaft zu melken.

Das Kuhmelken schließt sich als nächste Prüfung an, auf die der Löffeltrunk mit Hochprozentigem folgt. Wer es dann noch schafft, die mündliche Prüfung in Plattdeutsch stilsicher zu absolvieren, hat den ersten Teil des Ostfriesenabiturs über- und meist auch bestanden.

Zum zweiten Teil begeben sich die Teilnehmer in eine Gastwirtschaft. Dort stehen die schriftliche Prüfung in Ostfrieslandkunde (nach einem Kurzvortrag), das originale Teetrinken mit ostfriesischer Teezeremonie und Krabbenpulen auf dem Programm.

Zu guter Letzt wird den Absolventen das Abiturzeugnis inklusive Bewertung der Leistungen in den einzelnen Prüffächern ausgehändigt und als Anerkennung erhält jeder Teilnehmer ein Glas echt ostfriesische Bohnensopp im Glas. Aber Achtung: Wer hier an klassische Bohnensuppe denkt, der wird überrascht sein, denn im Glas ist eine hochprozentige Kreation nach friesischem Originalrezept drin.

Ostfriesenabitur buchen

Wer die Stadt Wittmund oder Ostfriesland besucht, sollte sich das Ostfriesenabitur nicht entgehen lassen, denn es ist eine lustige, sportliche Erfahrung und erweitert den Wissenshorizont. Das klassische Ostfriesenabitur umfasst einen Zeitrahmen von etwa drei bis vier Stunden. Die verkürze Version, die zwar für Kinder gedacht ist, sich aber auch für Erwachsene, die schneller „durch sein“ wollen, eignet, dauert zwei Stunden.

Das Ostfriesenabitur können Einzelpersonen, Gruppen, Vereine, Clubs und Firmen für ihre Belegschaft buchen. Auch gibt es verschiedene Zusatzangebote und Extratermine. Um an einer gebührenpflichtigen Abiturprüfung teilzunehmen, ist eine Anmeldung bei der Tourist-Information Wittmund erforderlich, die weitere Auskünfte erteilt. Im Wittmunder Stadtteil Carolinensiel kann auch das Lüttje Ostfreesen-Abitur abgelegt werden. Nun denn, wie die Ostfriesen so schön sagen:

Mok dien Abitur!

Infos zum Ostfriesenabitur

Tourist-Information Wittmund
Kurt-Schwitters-Platz 1
26409 Wittmund
Telefon: 04462 – 983150
Internet: www.wittmund-tourismus.de

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