Pultstockspringen

Traditionelle Sportart in den Marschgebieten

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 25.01.2019
Pultstockspringen

Pultstockspringen, auch als Paddstockspringen, Pullstockpringen, Klootstockspringen, Klotstockspringen je nach Region bekannt, geh√∂rt zu den traditionellen Sportarten in den Marschgebieten in Nordwestdeutschland, in den Niederlanden unter der Bezeichnung Fierljeppen sowie in D√§nemark. Besonders in Ostfriesland kommt dem Stabweitsprung √ľber Wassergr√§ben und Tiefs eine besondere Bedeutung zu. Pultstockspringen ist nicht nur ein beliebter Volks- und Vereinssport, sondern auch aktiv in das touristische Programm Ostfrieslands eingebunden.

Hintergrund/Geschichte des Pultstockspringens

Die Marschregionen in Ost- und Nordfriesland, den Niederlanden und D√§nemark werden von etlichen Wassergr√§ben, Sielen und Tiefs durchzogen, die bis zu acht Meter Tiefe erreichen. In den fr√ľheren Jahrhunderten t√ľftelten sich die Menschen eine intelligente L√∂sung aus, um diese ‚Äěfeuchten Hindernisse‚Äú trockenen Fu√ües √ľberqueren zu k√∂nnen. Sie konstruierten sich einen extra langen Holzstock mit einer runden Scheibe an einem Ende und sprangen damit √ľber die Wasserl√§ufe. Der zweckm√§√üige Stabweitsprung entwickelte sich zum Brauch und geh√∂rt heute zu den Traditionssportarten in Ostfriesland, Nordfriesland, den holsteinischen Elbmarschen, Dithmarschen, den Niederlanden und D√§nemark. In den Niederlanden werden Clubmeisterschaften, Ligawettbewerbe und einmal im Jahr die Nationale Fierljep Manifastion (NMF) ausgetragen.

Auch in die politische Geschichte ist das Pultstockspringen eingegangen. Die Bauernbev√∂lkerung von Dithmarschen schlug in der Schlacht bei Hemmingstedt im Jahre 1500 das mit an die 12.000 Mann besetzte Heer des d√§nischen K√∂nigs und des Herzogs von Schleswig-Holstein mit ihren Klotst√∂cken. Etwa 6.000 Bauern errichteten eine Schanze und √∂ffneten die Siele. Sie nutzten ihre Klotst√∂cke zum √úberwinden der Wassergr√§ben und setzten sie gleichzeitig als Waffen ein. Die Dithmarscher gingen als Sieger aus diesem Kampf hervor und sicherten damit der Region ihre Unabh√§ngigkeit. 

Der Pultstock und das Springen

Der etwa drei bis vier Meter lange Pultstock ist aus stabilem Material gefertigt und besitzt am unteren Ende eine kleine Scheibe. Diese verhindert das Einsinken des Stocks in den feuchten bzw. schlammigen Grund und bietet Halt. Auf der Landseite des ausgesuchten Wasserlaufs wird eine kurze Absprungrampe positioniert. Der Springer steckt den Pultstock ca. einen halben bis einen Meter vom Rand des Wasserlaufs entfernt (je nach Breite) in das Wasser ein, setzt mit Schwung an, w√§hrend er mit seinen H√§nden das obere Ende des Stocks umgreift und versucht, den Graben zu √ľberwinden. Dabei arbeitet er mit seinen Beinen, um die Richtung des Stocks zu beeinflussen. Bei sehr breiten Wasserl√§ufen hangeln sich Ge√ľbte im Sprung am Pultstock hoch, um die Sprungweite zu verl√§ngern. Aus dem Stand sind f√ľr die K√∂nner durchaus Sprungweiten von √ľber zehn Metern zu erreichen. √úbung macht hier den Meister. Neben Kraft, Kondition und Geschick braucht es auch ein gutes Augenma√ü f√ľr die zu √ľberwindende Distanz, um den Stock im richtigen Abstand im Wasser zu platzieren. Spa√ü ist garantiert, denn es kann auch den versierten Pultstockspringern passieren, dass sie unfreiwillig ein Bad nehmen.

Wettkämpfe und touristisches Aktionsprogramm

In Ostfriesland ist jeder, ob Einheimische oder G√§ste, herzlich eingeladen, sich im Traditionssport mit gro√üem Funfaktor auszuprobieren. Manche Sportvereine betreiben das Pultstockspringen aus Spa√ü an der Freude neben ihren eigentlichen Disziplinen und tragen Sportwettk√§mpfe oder Schauwettk√§mpfe aus. Aber auch spontane oder geplante Freiwilligen-Wettk√§mpfe sind in Ostfriesland keine Seltenheit. Im Ort S√ľdarle, im ostfriesischen Landkreis Aurich, versammeln sich an Himmelfahrt hunderte von Fahrradfahrern ‚ÄěAm gro√üen Stein‚Äú, hissen die ostfriesische Nationalfahne und treten gegeneinander im Pultstockspringen an.

Vielfach  ist das Pultstockspringen Teil eines Besucher-Programms in den ostfriesischen Urlaubsorten, das auch weitere traditionelle Sportarten wie Bo√üeln, Klootschie√üen und Kreierrennen beinhaltet. Hier sind die G√§ste aktiv eingebunden und k√∂nnen ihr Sprunggeschick beweisen.

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