Das Schuljahr 2016/2017 startet in Niedersachsen

Knapp 70.000 Erstklässler kommen in die Schule

ein Niedersachsen-Artikel von Michael Weber - 04.08.2016
Das Schuljahr 2016/2017 beginnt in Niedersachsen

Heute starten in Niedersachsen 836.000 Schülerinnen und Schüler in das Schuljahr 2016/2017. Wie jedes Jahr gibt es viele Vorsätze, Neuerungen und politisch heiße Diskussionen um die Unterrichtsversorgung. Dieses Jahr gibt es aber noch eine Besonderheit. Erstmals wird auch eine große Zahl Flüchtlingskinder eingeschult. Diese gesellen sich zu den 69.100 Schülerinnen und Schülern, die am kommenden Wochenende ihren ersten Schultag erleben werden. Die genaue Schülerzahl kann daher noch etwas variieren. Das Kultusministerium wird diese in wenigen Wochen vorlegen.

Schuljahr 2016/2017: vier neue Gesamtschulen

Die Zahl der Gesamtschulen steigt in diesem Schuljahr auf 126. Denn vier neue integrierte Gesamtschulen in Edemissen, Burgwedel, Isernhagen und Ihlow sind neu genehmigt und umstrukturiert. Diese werden schrittweise ab der fünften Klasse aufgebaut.

Neu ist auch ein weiteres Gymnasium in Hannover. Damit steigt die Zahl dieser Schulen in Niedersachsen auf 220. Außerdem gibt es insgesamt sechs neue Oberschulen in Bad Zwischenahn, Lohne, Nienburg sowie dreimal in der Landeshauptstadt Hannover. Damit steigt die Zahl der Oberschulen in Niedersachsen auf 256. Die Zahl der öffentlichen Schulen beträgt im Schuljahr 2016/2017 damit 2.800, darunter 135 Berufsbildende Schulen. Inzwischen haben über 1.700 Schulen ein Ganztagesangebot. Die Landesregierung finanziert diese Schulform mit 1,5 Milliarden Euro bis 2020. Eine neue Koordinierungsstelle soll außerdem helfen, das Ganztagsschulangebot weiter zu optimieren.

Verständliche Informationsmaterialien für Eltern

Mit dem Schuljahresstart in Niedersachsen legt das Kultusministerium Informationsflyer auf. Diese sollen den Eltern verständlich wesentliche Eckpunkte des Schulsystems näher bringen. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt sagt dazu: "Die neuen Publikationen des Niedersächsischen Kultusministeriums sind vor allem für Eltern gedacht, die keine eigene Erfahrung mit dem deutschen Schulsystem haben und deshalb grundlegende Informationen in leicht verständlicher Sprache und Aufmachung benötigen." Ziel sind damit nicht nur Eltern, die erstmals Kinder zur Schule schicken, sondern auch ausländische Mitbürger und die Eltern der Flüchtlingskinder. Entsprechend sind die Informationsmaterialien aus der Reihe "Mein Kind kommt in die Schule" sehr niedrigschwellig ausgerichtet. Wichtigste Informationsblätter sind die Flyer "Mein Schultag" und "Die Eltern als Partner der Schule". Diese sind bereits bzw. erscheinen in Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch.

Die Ministerin stellt insbesondere die Rolle der Eltern heraus. Sie führt aus: "Eltern sind die wichtigsten Partner der Schule auf dem Bildungsweg eines Kindes. Dazu gehört die unterstützende Begleitung des Schultags vom Packen der Schultasche über die Pausenverpflegung bis hin zum regelmäßigen Informationsaustausch mit den Lehrkräften über die Lernentwicklung eines Kindes. Wir freuen uns außerdem über engagierte Eltern zum Beispiel in den verschiedenen Schulgremien." Nicht zuletzt sollen Eltern für Rollen in den Gremien der Schulen gewonnen werden.

Wichtige Eckwerte enthält die Broschüre "Schule in Niedersachsen knapp und klar". Darin informiert die Landesregierung u. a. über Themen wie Schulpflicht und Anmeldung, das niedersächsische Bildungssystem, Kosten und Hilfen sowie Sprache als Schlüssel zum Lernerfolg.

Streit um Unterrichtsversorgung - Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung

Das Kultusministerium setzt außerdem einen "17-Punkte-Aktionsplan zur Lehrkräftegewinnung" um. Grund ist die Situation auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt. Denn viele Bundesländer benötigen neue Lehrkräfte, um den durch die Flüchtlinge größeren Klassenaufkommen gerecht werden zu können. Laut Ministerin Heiligenstadt haben für die Landesregierung eine "auskömmliche Unterrichtsversorgung und die Sicherung des Pflichtunterrichtes absolut höchste Priorität". Der Aktionsplan soll dazu beitragen, trotz schwieriger Rahmenbedingungen eine ausreichende Unterrichtsversorgung sicherstellen zu können. Zuletzt konnte die Landesregierung noch einmal über 2.000 Stellen besetzen. Im vergangenen Schuljahr wurden bereits 4.250 Lehrkräfte neu eingestellt. Der Arbeitsmarkt ist inzwischen jedoch angespannt, es gibt relativ wenig noch verfügbare Lehrerinnen und Lehrer. Daher soll der Aktionsplan auch Einstellungen im Rahmen des Quereinstiegs ermöglichen. Anders als bisher gilt dies auch für Grundschulen und für Bewerber ohne Bedarfsfach. Außerdem werden die fachspezifischen Bedarfsregelungen für die Einstellung in den Schuldienst flexibilisiert.

Opposition kritisiert Unterrichtsversorgung

Traditionsgemäß kritisiert die Opposition die Unterrichtsversorgung und die Schulpolitik der SPD-geführten Landesregierung. Der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, prangert an: "Die Unterrichtsversorgung sinkt im neuen Schuljahr noch weiter ab. Sie ist historisch niedrig und wird in der Endauswertung deutlich unter dem vom Ministerium veröffentlichten Prognosewert von 98 Prozent liegen." Er warnt, dass an vielen Schulen Pflichtunterricht ausfallen wird. Markig schließt er: "Es ist erschreckend, dass man an den Eckwerten zur Unterrichtsversorgung deutlich ablesen kann, wer gerade in Niedersachsen regiert.“

Darauf kontert der bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Politze: "Zum Schuljahresbeginn am Donnerstag ist die Bildungslandschaft in einem deutlich besseren Zustand, als die CDU/FDP-Vorgängerregierung sie uns hinterlassen hat." Er nannte aus Sicht der SPD das Erbe der CDU im Schulbereich: "Zu wenig Ganztag, schlecht ausgestattete Schulen, ein Stress-Abitur, zu wenige Lehrerinnen und Lehrer sowie keine Vorbereitungen für die Inklusion – so haben wir es im Januar 2013 vorgefunden."

Inklusion schreitet voran

Heiner Scholing, schulpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, stellt die Fortschritte bei der Inklusion heraus: "Die Inklusion wird jetzt bereits in allen Schuljahrgängen bis zur Klassenstufe 8 verwirklicht. Das ist für alle Schülerinnen und Schüler und für ihre Eltern eine ausgesprochen positive Entwicklung."

Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf haben in Niedersachsen einen Rechtsanspruch auf Förderung in der inklusiven Schule. Sie sollen gemeinsam mit ganz normalen Schülern lernen. Im Schuljahr 2016/2017 erweitert die Landesregierung die Inklusion auf die Schuljahrgänge 4 und 8. Damit sind die ersten acht Schuljahre an den allgemeinbildenden Schulen durchgängig auch für förderbedürftige Schüler besuchbar. Noch immer ist Inklusion aber für Betroffene, alle Schüler und Lehrer eine Herausforderung, die teilweise mühsam zu bewältigen ist.

Erstklässler zu Fuß zur Schule gehen lassen

Eine ganz andere Herausforderung haben Erstklässler. Die fast 70.000 ABC-Schützen müssen erstmals nicht nur die Schule als solche bewältigen, sondern auch den Schulweg. Zwar möchten viele Helikoptereltern ihre Schützlinge mit dem Auto zur Schule fahren, aber genau das führt zu Problemen. Darauf weisen das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologische Verkehrsclub VCD hin. Die Verbände propagieren, den Schulweg selbst zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad entdecken zu lassen. Denn nur ohne Eltern-Taxi könnten die Kinder ein souveränes Verhalten im Straßenverkehr trainieren.

Claudia Neumann, Spielraumexpertin des Deutschen Kinderhilfswerkes, weist in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf die Gefahren durch Eltern-Taxis hin: "Eltern, die ihr Kind bis vor das Schultor fahren, gefährden dabei andere Kinder. Hektisch geparkte Autos erzeugen insbesondere für Kinder unübersichtliche Situationen und den Kindern die auf der Rückbank sitzen, wird das Erfolgserlebnis verwehrt, den Schulweg eigenständig bewältigen zu können." Deutlich effektiver sei es, gemeinsam mit den Kindern einen sicheren Schulweg gemeinsam abzulaufen und dabei schwierige Straßen und Kreuzungen zu umgehen. Das trainiert das selbstbewusste und kompetente Bewegen auf Bürgersteigen und über Straßen.

Marion Laube, Mitglied im VCD-Bundesvorstand, betont den Vorteil für alle. "Während die Kinder beim Laufen Sicherheit im Straßenverkehr gewinnen, können sich die Eltern vergewissern, dass sie keine Angst um ihre Kinder haben müssen. Ganz im Gegenteil: Selbstsicherheit und Souveränität lernt man nur durch eigenständig zurückgelegte Wege"

Sollten dennoch Eltern-Taxis erforderlich sein, sind Fahrgemeinschaften sinnvoll. Außerdem sollten Eltern spätestens ca. 500 Meter vor der Schule halten und die Kinder sicher aussteigen und den Restweg allein gehen lassen. Sonst komme es vor der Schule zu den gefährlichen Situationen durch Fahrzeuge der Eltern. Mit diesen Tipps wird der Schulweg für die Kinder zu einer sicheren Sache, die nachhaltig die Kompetent im Straßenverkehr fördert. Wer Unterstützung benötigt, kann an den Aktionstagen "Zu Fuß zur Schule" teilnehmen, die im September stattfinden.

Foto: Clipdealer

Rubrik Nachrichten: