Göttinger Kiessee

Naherholungsgebiet bei der Universitätsstadt

ein Niedersachsen-Artikel von Redaktion - 04.01.2020
Göttinger Kiessee

Am südwestlichen Stadtrand von Göttingen liegt der Göttinger Kiessee, der durch Kiesabbau entstanden ist. Der See und seine Ufer sind das erklärte Naherholungsgebiet der Göttinger, im Sommer wie im Winter ist hier jede Menge los. Auch wenn Baden im See nicht gestattet ist, so eröffnen sich doch etliche Sport- und Freizeitmöglichkeiten, z.B. Kanufahren oder Segeln. Die Vogelinsel im südlichen Teil bietet Brut- und Wandervögeln sichere Unterkunft und darf nicht betreten werden. Darüber hinaus fühlen sich am relativ kleinen und nicht sehr tiefen See zahlreiche Wildtiere und Wildvögel wohl, die auch keine Scheu vor Menschen haben, von denen es am See nur so wimmelt. Im Seewasser finden sich etliche Fische und ein halbes Dutzend an Rotwangen-Schmuckschildkröten.

Daten und Fakten zum Göttinger Kiessee

Der Göttinger Kiessee am Sandweg hat eine Wasserfläche von 15 ha. Der See ist aus dem Kiestagebau entstanden, die Uferflächen wurden in den Jahren 2011/2012 und 2015 großzügig als naturnahe Parklandschaft mit Bäumen und Bachabschnitten angelegt. Die Länge der Uferlinie beträgt knapp 2,5 Kilometer.

Wasser erhält der See von der Flüthe, einem Seitenkanal der Leine. 2003/2004 wurde eine Verbindung zwischen dem Hochwasserbett der Flüthe und dem Kiessee geschaffen, die bei einem Überschuss an Wasser in der Leine geöffnet und geschlossen werden kann. Das überschüssige Leinewasser kann dann in den Kiessee abfließen, was einen Hochwasseranstieg in der Göttinger Innenstadt sowie in Bovenden und Nörten-Hartenberg verhindert. Der Baggersee ist 749 m lang und 330 m breit, sein Umfang beträgt 2,285 Kilometer, die Wassertiefe liegt zwischen 1 und 2 m.

Ökologie und Wasserqualität des Göttinger Kiessees

Durch die geringe Tiefe bilden sich im Kiessee relativ schnell Algenblüten, auch die Verlandung ist beschleunigt. Der 2003 gebaute Zulauf sorgt für eine verbesserte Frischwasserversorgung, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass die Wasserqualität für die Fische und Ökolebewesen besser geworden ist. Laut Experten geraten durch die intensive Landwirtschaft im Leinegebiet zu große Mengen an Dünger in den Fluss, deren Stoffe die Verlandung weiter vorantreiben. Diese Problematik führte in Verbindung mit weiteren Auslösern zu einer hohen Blaualgendichte, worauf im September 2004 bis zu 90.000 Fische, darunter in erster Linie Brassen, in geringer Menge auch Flussbarsche, junge Zander und Rotaugen, im See starben. Um eine solch hohe Algendichte zu vermeiden, wird der Zufluss in den Frühsommermonaten reduziert oder ganz geschlossen. Auch wurden ein Überwachungsprogramm, hinsichtlich der Nährstoffdichte des Leinewassers und ein intelligenter neuer Fischbesatz durch den Stadtrat initiiert. 

Mit der Renaturierung des südlichen Uferareals wurde ein naturnahes Naherholungsgebiet geschaffen. Der Seezufluss wandelte sich in einen mäandernden Bachlauf mit Kiesbänken. An den Bachufern haben sich dichte und großzügige Schilfe und Gebüsche ausgebildet. Ein großzügiger Bestand an Erlen und Weiden sorgt für natürliche Klimaregulierung und gute Luft. Dieser Bereich wird auch als „Vogelinsel“ bezeichnet und ist den Tieren vorbehalten. Hier lassen sich gerne Brutvögel wie Blässhuhn, Haubentaucher, Höckerschwan, Graugans, Graureiher, Rohrammer, Teichrohrsänger, Teichhuhn, Sumpfrohrsänger, Stockente nieder. Mitunter sind auch ganze Brutkolonien einzelner Vogelarten vertreten. Daneben rasten viele Zugvögel am Göttinger Kiessee, darunter Gänsesäger, Kormoran, Silberreiher, Rallenreiher, Reiherente, Zwergtaucher. Verschiedene Wildvögel sind überhaupt nicht menschenscheu, so grasen die Graugräne schon mal auf den Liegewiesen oder Schwäne und Haubentaucher sind auf dem Wasser aus einer geringen Entfernung zu beobachten.

Auf den ehemaligen Ackerflächen entstanden Blumenwiesen, zwischen denen ebenfalls Bäume angepflanzt wurden. Südlich vom See befinden sich die landwirtschaftlich genutzten Leineauen.

Freizeitvergnügen am Göttinger Kiessee

Dass Baden hier nicht erlaubt ist, fällt beim geselligen Treiben und der fantastischen Natur überhaupt nicht ins Gewicht. Auf den grünen Wiesen können sich die Besucher in der Sonne aalen, der Uferweg dient zum Spazieren, Joggen, Nordic Walking, Radeln. Auch finden sich Angelmöglichkeiten. Wer länger wandern möchte, wird mit einem 3,5 km langen Rundwanderweg bedient.

Fur Kurzweil, sportliches Vergnügen und das leibliche Wohl ist am Kiessee bestens gesorgt. Neben einem abenteuerlichen Kinderspielplatz sind ein Bootsverleih, Bootshäuser ansässiger Wassersportvereine, ein Trainingsabschnitt für Kanu-Polo, Grilltische, ein Restaurant und Café vorhanden. Der Stadtsportbund ist mit einem eigenen Bootshaus vertreten. Nahezu alle Göttinger Schulen nutzen diese Sportstätte für einen Sportunterricht, der sich auf Wassersportarten konzentriert. Auch Vereine können das Bootshaus auf Anfrage belegen. Zweimal im Jahr werden am Göttinger Kiessee Rudermeisterschaften ausgetragen. Im Winter und bei ausreichender Eisdicke, die durch die niedrige Seetiefe bei Minustemperaturen schnell gegeben ist, wird der Kiessee zur großen Freilufteisbahn, auf der man seine Runden mit Schlittschuhen zieht. Gästen und Besuchern stehen ausreichend Parkmöglichkeiten am See zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es in der Nähe einen Taxistand sowie eine Bushaltestelle der wichtigsten Buslinien.

Foto: Clipdealer

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